Vortrag von Waleri Alexandrowitsch Wolin 1993. Wolin ist zu dem Zeitpunkt Militäroberstaatsanwalt der Verwaltung für Rehabilitierung der Generalstaatsanwaltschaft der Russischen Förderation, Oberst der Justiz.
Wenn ich in meinem Vortrag über Repressionen spreche, dann wünsche ich mir, daß Sie den Begriff Repression nicht mit dem Namen Stalin verbinden. Ob Stalin, Lenin, Ulbricht oder Breschnew – sie alle sind Erzeugnisse des Systems der Kommunisten.
Mein Vortrag enthält keine sensationellen Mitteilungen, zumindest habe ich mich darum nicht bemüht. Ich muß Ihnen aber sagen, daß ich in den Jahren meiner Arbeit in der Rehabilitierungsverwaltung Akten und Unterlagen gelesen habe, die so schlimm waren, daß ich davon schlaflose Nächte hatte. Mein ganzes bewußtes Leben lang, ich bin den größten Teil meines Lebens in Internats-Schulen des Komsomol aufgewachsen, wurde mir immer wieder der Haß gegen den Faschismus und gegen alles, was deutsch war, eingehämmert. Und nun, im reifen Alter stehend, erfahre ich, daß die Kommunisten keinen Deut besser waren als die Faschisten – und oft haben jene diese sogar übertroffen.
Im Anschluß an meinen Vortrag gehe ich auf Fragen zum Verfahren der Rehabilitierung ein. Wenn hier und heute jemand einen Antrag auf Rehabilitierung stellen möchte, werde ich den Antrag offiziell zur Kenntnis nehmen und ihn zur Bearbeitung mitnehmen.
Wollin spricht u.a. in seinem Vortrag von den Konzentrationslagern, die von Anbeginn die Sowjetherrschaft festigten, beschreibt den Terror, der die Macht der Kommunisten absichern sollte, und schildert die Willkür der Anschuldigungen mit Hilfe auch gefälschter Beweise in der Sowjetunion und den sowjetischen Satelittenstaaten. Wolins Schwerpunkt liegt dabei auf der DDR. Der Vortrag ist im Ganzen lesenswert.
Russland rehabilitiert die durch sowjetische Militärtribunale unschuldig verurteilten. [pdf-datei/Seite 38 - 45]