Im Korruptionsstadl

2010 flog der groß angelegte Betrug beim Kinderkanal KiKa auf: 8,5 Mio Euro hat sich Produktionsleiter Marco K. in die eigene Tasche gestopft, dank tatkräftiger Mithilfe. Der fünfte Fall von Korruption und Betrug bei ARD und ZDF. Nicht Einzelfälle sondern System, urteilt Medien-Autor Hans-Peter Siebenhaar. Ein System von Intransparenz, Vetternwirtschaft, Korruption und Arroganz als Teil einer Unternehmenskultur.

ARD, ZDF und Deutschlandradio haben im Jahr 2011 satte 7,5 Milliarden Euro nur an Gebührengeldern eingenommen – die Verwendung der abgepressten gigantischen Summe unterliegt nur minimaler Kontrolle und öffnet so Selbstbedienung Tür und Tor. In seinem neuen Buch „Die Nimmersatten“ geht Siebenhaar hart mit den öffentlich-rechtlichen Sendern ins Gericht und nennt sie in seinem Interwiew mit Deutsche Wirtschafts Nachrichten einen “Rundfunkstaat im Staat”:

Hans-Peter Siebenhaar: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk betreibt 22 Fernsehkanäle und 67 Radiosender. 25 000 Festangestellte und Zehntausende freie Mitarbeiter arbeiten dafür. Und dennoch sind die Scoops mehr als überschaubar. Die großen investigativen Recherchen kommen in der Regel aus der Printbranche. Hinzu kommt, dass ARD und ZDF dem Markt viele hundert Millionen an Werbegeldern entziehen. Die Öffentlich-Rechtlichen würden sich selbst einen Gefallen, wenn sie auf Reklame verzichten würden. In Frankreich und Spanien ist das längst der Fall.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten: Gibt es irgendwelche Sparbemühungen, mit denen die Sender auf die allgemeine Wirtschaftskrise reagieren?

Hans-Peter Siebenhaar: Die Wirtschaftskrise trifft den öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht. Denn durch die Einführung einer ARD/ZDF-Steuer ab nächstem Jahr, beschönigend von der Politik Haushaltsabgabe genannt, ist ihr finanziellen Daseins bis zum St. Nimmerleinstag gesichert. Dass die Anstalten Sparanstrengungen unternehmen, hat nichts mit geringeren Gebühren zu tun, sondern viel mehr mit gestiegenen Kosten beispielsweise für Technik und Personal sowie für die opulente Alterssicherung ihrer Mitarbeiter.

Deutsche Wirtschafts Nachrichten:  Haben es die Öffentlich-Rechtlichen geschafft, sich vom Rest der Gesellschaft so abzukoppeln, dass sie zu einer Art Staat im Staat geworden sind?

Hans-Peter Siebenhaar: ARD und ZDF sind tatsächlich zu einem Rundfunkstaat im Staat verkommen. Obwohl die Bürger eigentlich die Eigentümer sind, haben sie kein Mitspracherecht. Besseres Fernsehen für weniger Geld wird nur dann möglich sein, wenn die Anstalten aus den Fängen der Parteien befreit werden.
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