Nationalhymnenpflicht

Der DFB-Ehrenpräsident Mayer-Vorfelder will eine Hymnenpflicht. Spieler, die sich weigern, die Nationalhymne zu singen, sollen in letzter Konsequenz aus der Nationalmannschaft ausgeschlossen werden können, meldet die Junge Freiheit. Man könne nicht nur partiell Deutscher sein, das ginge nicht, behauptet Mayer-Vorfelder. Ja sicher, und der Ball ist eine Scheibe.

Partiell Deutscher zu sein geht natürlich sehr wohl, wie nicht nur Özil, Khedira u.a. deutlich zeigen. Tatsächlich ist die BRD voll von “Bürgern” die sich ausschließlich partiell, wenn überhaupt, als Deutsche fühlen und das auch offen bekunden. Das war vor dem  neuen Konzept  “gelenkter Patriotismus” [bevor Elitezirkel ergo erkannten, wie brandgefährlich eine bindungslose Bevölkerung für die Machthaber werden kann] sogar gewünscht, nachdrücklich gefördert und unterstützt.  Nur:  wie man Patriotismus zwar unterdrücken aber nicht auslöschen kann, so kann man die Liebe zu einem System [oder einem anderen Menschen]  nicht befehlen. Weil Liebe, Patriotismus, Solidarität u.ä. Gefühle sind und Gefühle kann man nicht erzwingen. Höchstens Lippenbekenntnisse.

Nun kann man natürlich fragen, wieso das Singen der deutschen Nationalhymne respektlos ist gegenüber dem Herkunftsland eines Elternteils - damit begründen Özil und Khedira ihre Verweigerung – es dem selben Elternteil aber nichts ausmachen soll, wenn der Sohn im deutschen Trikot unter deutscher Fahne  für Deutschland spielt. Die Debatte darüber ist müßig, denn die Özils und Khediras spielen für Geld und die sich ergebenden Karrierechancen und nicht für Deutschland. Lohnt sich ein anderes Land mehr, werden sie eben für das andere Land spielen. Es sind Sportsöldner, wie es sie im Spitzensport zu Tausenden gibt. Daran ist nichts Anrüchiges, auch Sport ist mittlerweile ein millionenwertes Geschäft. 

[Damit keine Missverständnisse aufkommen:  Ich befürworte den Fußballpatriotismus, weil er von jungen deutschen Fans nicht verlangt,  notfalls zu sterben und weil dabei wenigstens für einen gewissen Zeitraum ein Wir-Gefühl formuliert und gelebt werden kann. Nur ihre Zusatz-Funktion als Konsumenten stößt mir dabei etwas auf. Aber auch  kaufen ist immer noch besser als sterben.]

Ich jedenfalls bin den Özils und Khediras dankbar für ihre  demonstrative Verweigerung. So wie ich Johannes B. Kerner für sein widerliches Tribunal gegen Eva Herman letztendlich dankbar war.  Weil die Kerners, die Özils und Khediras damit Millionen von Deutschen die ganze Verlogenheit deutlicher vor Augen führen, als das jede akademisch-analytische Abhandlung je könnte. Mich überraschen daher  Mayer-Vorfelders Bestrebungen nicht,  die “Nationalspieler”  zum Singen zu zwingen. Das Lippenbekenntnis kann der DFB natürlich erzwingen – schließlich geht es um Karrierechancen und viel viel Geld.  Darüber hinaus macht er sich damit nur noch lächerlicher, die Verlogenheit noch offensichtlicher. Oder, um in der Sprache des DFB zu sprechen: Dieses Spiel ist nicht mehr zu gewinnen.

About these ads